Presse- und Katalogtexte

2015 Allgemeiner Pressetext

Der Maler Max Köhler

Max Köhler war Mitte der 80er Jahre der erste moderne Heimatmaler im Landkreis Ortenau (nahe Straßburg und Freudenstadt). Er malte bewusst provokativ althergebrachte Motive wie Bollenhutmädchen und Schwarzwaldhäuser. Aber anders als bis dahin üblich schuf er diese Motive in einer frischen, farbenfrohen Handschrift. Er riss sozusagen den gewohnten naturalistischen Stil dieser Klischees ein und malte sie in einer modernen Bildersprache, die der Pop-Art verwandt ist. Das Publikum feierte ihn begeistert dafür. Die Verkaufserfolge gaben ihm Recht. Es schien, als ob dem Publikum die bis dahin übliche Häme der Künstler über klischeehafte Heimatsymbole zuwider geworden waren. Mit Köhler wurde ein Bekenntnis zur Heimat wieder salonfähig.

Köhler wurde 1942 in Pilsen im damaligen Sudetengau geboren. 1945 als Deutsche aus der wieder installierten Tschechei ausgewiesen, siedelte die Familie 1954 nach Station in München nach Kehl am Rhein um. Er machte eine Ausbildung zum Fotografen und studierte Malerei an der Freien Akademie in Mannheim. Köhler arbeitete lange als Fotograf und Redakteur beim Heimatzeitungen, ehe er sich als freischaffender Maler etablierte. Besonders seine Portraits fanden Anerkennung.

Die erste Ausstellung seiner Gemälde hatte er 1965 in Berlin. Es folgten viele in ganz Europa (Europaparlament in Straßburg, Deutsche Infozentrale in Wien, Hans-Thoma-Museum in Bernau/Schwarzwald). Etwa 90 seiner Gemälde befinden sich in öffentlichem Besitz.

2015, Erika Hansen-Lorenzen, Telefon 0781/ 9903377, email info@koehler-max.de

 

 

2006 Schutterwald

Der Maler Max Köhler schwimmt gegen den Strom/ Jetzt hat er seine Autobiografie geschrieben

Kehl (halo). Ein großer Maler, ein erfolgreicher Maler ist meist auch zugleich ein eigenwilliger, ein eigensinniger Maler – so viel steht mal fest. Der Ortenauer Berufsmaler Max Köhler (67) ist erfolgreich wie leider nur wenige Maler in Deutschland. Die größte Schweizer Kreditkartengesellschaft Cornercard will seine Bilder auf ihre Kreditkarten drucken, seine Internetseite bei artoffer.com/Max-Koehler wird täglich über hundert Mal angeklickt, auch werden seine Bilder als elektronische Postkarten geradezu paketweise versandt. Kunden müssen sich mit Wartelisten abfinden, wenn sie bestimmte Motive wollen, obwohl die Gemälde nicht gerade billig sind: 3000 Euro muss heute schon mal berappen, wer sich einen größeren „Köhler“ an die Wand hängen will. Die Firma Kehler Druck im Kehler Hafen hat über einen Zeitraum von 2o Jahren etwa 30 Gemälde von Köhler erworben. Man kann sie übrigens besichtigen, wenn man mit dem Eigentümer der Druckerei (und gleichzeitg wohl Direktor) einen Termin vereinbart. Im Kehler Hafen ist nach und nach ein kleines Köhler-Museum entstanden.
 
  Erfolgreich und eigenwillig – das scheint ein Zwillingspaar in der Kunstszene zu sein. Köhler malt reichlich gegenständlich Schwarzwälder und Elsässer Berge, alte Bürgerhäuser und Schlösser, Trachten und blonde Menschen – all das ist ja, wie jeder Kulturinteressierte weiß, seit der Nazizeit verpönt, da wacht schon das deutsche Feuilleton darüber. Da passt so recht die Meldung dazu, dass der amerikanische Geheimdienst nach dem Krieg den Deutschen mit viel Geld den abstrakten Expressionismus und die atonale Musik nahelegten und mit noch mehr Geld förderten. Wer’s nicht glaubt, bitte nachrecherchieren: Bei Google „CIA, Deutschland, Kultur, Krieg“ in die Suchleiste eingeben. Amerikanische Politiker wollten während des Kalten Krieges den Westdeutschen eine Alternative zum Sozialistischen Realismus und Nazirealismus bieten. Die westdeutsche Kulturelite sprang begeistert auf diesen Zug und ließ sich von der CIA bezahlen (natürlich über zwei Ecken herum). Obwohl der abstrakte Expressionismus und die atonale Musik bestenfalls in den fünfziger und sechziger Jahren eine gewisse Attraktivität besaßen, weil diese Stilrichtungen neu und aufregend waren, verfolgt das deutsche Feuilleton, das ja eine gewisse geschmeidige Anpassung noch unter Hitler gelernt hat, abweichende Stilrichtungen bis heute.
 
 Von diesen Querelen ungetrübt und höchst erstaunlich (oder eben gar nicht erstaunlich) ist der Erfolg des Malers Köhler bei den Konsumenten. Köhler malt ja genau das, was seit Hitler peinlich ist: Berge, Trachten und blonde Menschen. Er malt seine „Nazi-Motive“ allerdings nicht ganz so käsig wie die Nazi-Maler, sondern etwas moderner, farbiger und lässiger, wie er es eben von der modernen Malerei, darunter auch dem abstrakten Expressionismus, gelernt hat. Aber doch, er malt diese Motive. Fragt man ihn, warum er das tut, antwortet er, weil er seine Heimat am westlichen Schwarzwaldrand liebt und er sie abstrakt gegenstandslos nicht so recht darstellwn mag. Auch seien nicht alle Menschen in seiner Heimat schwarzhaarig. Hola, darauf muss man erst einmal kommen.
 
 Nun hat dieser merkwürdige Maler, der so viel Erfolg hat, seine Autobiografie (Titel: "Kraut und Rüben") geschrieben. Weil er mit dem Nobelpreisträger Professor Dr. Georges Köhler verwandt ist (sein jüngerer Bruder) und glaubt, dass sich Erziehungswissenschaftler dafür interessieren, wie der berühmte Bruder aufgewachsen ist. Herausgekommen ist ein interessantes Buch, in dem der Maler Max Köhler einfach so drauflos plaudert. Das ist stellenweise interessant (über Otto den Großen im elsässischen Erstein wussten wir noch nicht allzuviel), mäßig witzig (kalauernde Seitenhiebe auf die Schwaben, Köhler war in jungen Jahren Fotoreporter bei der „Stuttgarter Zeitung“), satirisch (die "Kinderbildmaler") und klug mit eigenwilligen Ansichten (Grimmelshausen lebte da, wo Köhler heute lebt, nämlich im Landkreis Ortenau, der von Freudenstadt bis Straßburg reicht).

Nach der Lektüre des Buches gibt es keinen Zweifel mehr: Köhler kann selber denken. Er verlässt sich nicht in allen kulturellen Fragen auf die Einflüsterungen des deutschen Feuilletons, das immer noch den Anregungen des amerikanischen Geheimdienstes nachjubelt. Man scheut sich immer ein bisschen, unsere kulturellen Tätigkeiten mit dem Geheimdienst in Verbindung zu bringen. Normalerweise bleibt sowas ja auch geheim. Da aber die CIA nur wenige erfolgreiche Aktivitäten aufzuweisen hat, ist sie sehr stolz auf ihre gelungene Aktion in Old Germany und verkauft sie den Amerikanern ganz offen als Erfolgsstory und Existenzberechtigung in eigener Sache. Ziemlich beleidigend für uns. Als ob wir nicht imstande wären, eine eigene kulturelle Identität zu entwickeln.
 
 Doch zurück zu „Kraut und Rüben“. Das Buch ist, fürwahr,  eine seltsame Autobiografie: Es ist zugleich ein intelligentes Heimatbuch über die Region, in der wir leben, und, was noch seltener ist, vergnüglich zu lesen, weil Köhler streckenweise einen verständlichen Stil schreibt, ohne platt zu werden.
 
 "Max Köhler 'Kraut und Rüben'“, herausgegeben von seiner Galerie in Schutterwald im Ortenaukreis, Hansen. Es kostet 15 Euro und ist im Buchhandel erhältlich. Am Ende des Buches sind einige kleinere Reproduktionen von Köhlers Werken zu finden. Wir sind ganz sicher, dass dieses Buch einmal auf dem antiquarischen Markt einen stolzen Preis erzielen wird, schon wegen der darin abgedruckten Gemälde. Es kommt jetzt nur darauf an, wieviele Bücher verkauft werden. Sind es viele, fällt der Preis. Der Sammler ist also in einer Zwickmühle. Er muss darauf hoffen, dass nur wenige Bücher gekauft werden und die Druckvorlage dann zerstört wird. Dabei sind die Aussichten, ein Schnäppchen zu machen, gar nicht so schlecht, denn die anderen vier Heimatbücher, die Köhler geschrieben und zum Teil auch illustriert hat, fanden nur wenige Käufer und sind nun vergriffen.
 
28. Mai 2009 - Erika Hansen-Lorenzen

PS am 10.Juni 2014: Das Buch "Kraut und Rüben" ist vergriffen

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