Pressetext zur Ausstellung in Bernau

Der Schwarzwaldmaler Max Köhler (64) gibt den Bildideen von Hans Thoma eine zeitgemäße Fassung. Damit ist er wie kein anderer prädestiniert für die Galerie im Hans-Thoma-Museum. Köhler hat einen eigenen Stil gefunden. Er gibt dem Schwarzwald eine moderne Form, ohne ihn zu kritisieren. Hier haben wir schon einen der Gründe, warum Köhler ein Publikumsliebling geworden ist. Doch eigentlich wird mit Köhlers Bildern der Schwarzwald weder gelobt noch kritisiert, sondern es werden Gefühle ausgedrückt, die jeder hat. Köhler benutzt den Schwarzwald als Wörterbuch, um seine Meinung zu den Dingen des Lebens zu sagen.


 Köhlers Familie stammt aus dem Sudetenland (Karlsbad, Eger), lebt aber seit 1954 in der Nähe von Straßburg (in Kehl). Der Maler arbeitete nach einer Fotografenlehre und einem Malstudium an der Freien Akademie in Mannheim (hier war Professor Berger-Bergner einer seiner Lehrer, ein Sohn des Leiters der ehemaligen kaiserlichen Gemäldesammlungen in Prag) etwa 20 Jahre als Fotoreporter und Textredakteur bei Tageszeitungen (Offenburger Tageblatt, Stuttgarter Zeitung, Badisches Tagblatt, Schwarzwälder Bote), ehe er sich 1988 als freischaffender Maler etablierte. Sein Atelier in Schutterwald nahe Straßburg befindet sich in einem denkmalgeschützten Kleinbauernhaus.


Köhlers intelligent, pfiffig, verschmitzt und so gar nicht ländlich-dumpf lachendes Bollenhutmädchen Nr.1 ist inzwischen zu einer Ikone der neuen romantischen Schwarzwaldmalerei geworden, vielleicht wird es sogar zum Sinnbild der modernen Frau schlechthin, zum Sinnbild einer Frau, die sich nicht scheut, aus Liebe zu ihrer Heimat auch die Interessen der Fremdenverkehrsindustrie zu vertreten. So jedenfalls ist es von Köhler gemeint. Diese schöne, elegante und selbstbewusste Frau repräsentiert damit ein neues Verständnis für die Tracht und das Brauchtum. Das Bild ist zum Symbol für eine aufstrebende Region geworden, die sich durch Wirtschafts-Beziehungen zu der ganzen Welt von ihrem hinterwäldlerischen Schwarzwald-Image befreit hat, ohne ihre Wurzeln zu vergessen oder sie gar höhnisch zu verleugnen, ähnlich wie man zu seinen bäurischen Großeltern steht, auch wenn man schon längst Generalbundesanwalt geworden ist. Man ist so klug, einzusehen, dass es auch die Eigenschaften dieser bäurischen Großeltern waren, die zu dem Aufstieg geführt haben: Fleiß, eine altmodische Gottesliebe und Erfindungsgabe.
 
 
Erika Hansen-Lorenzen
(Seit zwanzig Jahren Wegbegleiterin des Künstlers)
 Geschrieben am 1.1.2007

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